Raixa


Landgut Raixa

Eine Perle in den Bergen

 

Wenn es um Traditionen geht, ist mit den Mallorquinern nicht zu spassen. Sie sind tief mit ihrem Brauchtum verbunden, gerade auf dem Land. Ob Entenwerfen in Can Picafort, die lustig hüpfenden Cossiers in Alaró, die Feuerläufe in Sa Pobla oder die nachgestellten Kämpfe der Bevölkerung gegen einfallende Piraten in Sóller und Pollenca (um nur eine winzige Auswahl zu nennen)- all diese Bräuche sind wichtig für die Insulaner, denn sie geben ihnen neben viel typischer Geselligkeit auch eben jene Identität, die im Laufe der letzten Jahrhunderte durch zahlreiche Belagerungen, Fremdherrschaften und Repressionen immer wieder ins Wanken geriet. Zusammen mit der katalanischen Sprache (bzw. dem Dialekt Mallorquí), einer schlichten regionalen Küche und dem Leben zwischen schroffer Bergwelt, ursprünglichen Dörfer und glitzernden Stränden, sind es vor allem diese lebendigen Traditionen, die den Mallorquiner ausmachen. Da wundert es nicht, dass die Regierung der Designerin Jil Sander das zum Verkauf stehende Landgut Raixa noch vor der Nase weggeschnappt hat, um daraus 2014 ein Freilicht-Museum zu machen und dem werten Besucher, einen profunden Einblick in das ländliche Leben Mallorcas zu gewähren. Zu wichtig war und ist dieses Anwesen offenbar für die mallorquinische DNA.

 

Finca Raixa Museum

Potzblitz. Toll gemacht, aber niemand da!

 

Und das ist überaus gelungen. Auch wenn ein, zwei der Beamer nicht so ganz rund liefen, ist die audio-visionelle Aufbereitung der Inhalte sehr beeindruckend.

Doch der Reihe nach. Vom nett gemachten Parkplatz wird man anhand der Schilder "Visita" zum Eingang und schliesslich durch das Anwesen geleitet. An der Rezeption bekommt man schnell noch einen Informations-Flyer in Wunschsprache ausgehändigt und schon kann's losgehen. Es werden übrigens auch Führungen ab 10 Personen angeboten, für die man sich aber telefonisch anmelden muss. Bei uns kam eine Führung leider nicht zustande. Ohnehin waren wir fast die einzigen Besucher an jenem Vormittag. Aus unserer Sicht kann man die Finca aber durch die umfangreiche Informationsgestaltung bestens auf eigene Faust erkunden.

 

Die Räume begeistern

 

Es geht nun durch die verschiedenen Räumlichkeiten. Was an antikem Mobiliar fehlt, kann auf alten Fotografien bewundert werden. Dazu gibt es fast überall Touchscreens oder Filme, die teilweise auf die explizite Geschichte des Anwesens eingehen, teils aber auch allgemeiner über Geologie, Flora und Fauna der Tramuntana aufklären. Besonders interessant vielleicht die Küchenräume. Ein Film zeigt eindrucksvoll, wie und wann man bestimmte Feldfrüchte erntete und wie das Leben auf Raixa organisiert war.

Schliesslich geht es hinaus in die imposante Hang-Gartenanlage. Wasserkaskaden, Teiche, Pavillons und ein riesiger Wasserspeicher, der damals eigens zur Bewässerung der pompösen Gärten angelegt wurde (und für den man eigens das Wasser einer Quelle aus Valdemossa umleitete) zeugen seiner Zeit von dem Reichtum und Einfluss der langjährigen Inhaber-Familie Despuig auf Mallorca. Wir werden über eine clevere Wassermühlenkonstruktion zum Innenhof geleitet, wo Feedback-Bögen in verschiedenen Sprachen ausliegen. Nun geht es noch in den malerischen Loggia-Garten und von dort wieder zum Parkplatz.

 

Fazit: Ein sehr lehr-, und abwechslungsreicher Exkurs in das feudale Mallorca. Gratis und größtenteils kindgerecht noch dazu ! Auch für Residenten, die mal wieder nicht wissen, was man mit dem Besuch aus Deutschland unternehmen soll, ist Raixa ein ganz heisser Tip. 

 

Raixa Kardinal Despuig

Geschichtlicher Exkurs

 

Das ursprünglich maurische Anwesen wurde von Jaume I. nach seiner Rückeroberung 1229 enteignet und an einer seiner Vasallen, den Grafen con Ampurias abgetreten. Von ihm ging es in den Besitz einiger mallorquinischer Familien über, bis es der erste Graf von Montenegro, Ramon Despuig i Rocabertí  1660 übernahm. Er und seine Nachkommen bauten das Anwesen kontinuierlich aus und liessen im Zuge dessen auch Lustgärten anlegen.
Die heutige Form des Landguts ist vor allem Kardinal Antoni Despuig i Dameto (1745-1813) und seinem Bruder Joan geschuldet. Als enger Vertrauter des Papstes hatte er durch seine Italienaufenthalte Geschmack an der toskanischen Architektur gefunden. Er wollte Raixa zu einer produktiven Herrenresidenz der Extraklasse verwandeln, in deren Gärten nur die exotischsten Pflanzen sprossen, während in den Innenräumen seine Sammlung an romanischen Skulpturen, die er in Rom erworben hatte, ausgestellt werden sollte. Er selbst sollte das nicht mehr erleben. Es war sein Neffe Ramon, der 1826 die Pläne seines Onkels umsetzte und Raixa als Museum eröffnete. Die verbliebenen romanischen Figuren sind heute allerdings nicht in Raixa, sondern im Schloss Bellver in Palma zu sehen.



Infokasten

 

Tourencharakter: Rundgang durch Museum-Finca samt Gärten. Wir fanden die Finca Raixa toll. Man lernt auf dem Rundgang mehr über Mallorca als in so manchem Reiseführer. 2-3 Stunden sollte man für den Besuch auf jeden Fall einplanen. Wer immer mal wissen wollte wie das ländliche Leben auf so einer Liegenschaft organisiert wurde, sollte Raixa besuchen. Die Kinder kommen durch die interaktive Präsentation auch auf ihre Kosten.

Anfahrt: Von Palma auf der Ma-11 Richtung Sòller. Nach der Siedlung Palmanyola folgt ein Kreisverkehr. Hier weiter geradeaus. Nach ca. 500 Metern der Beschilderung folgen. Man biegt auf einen nicht asphaltierten Camino ab. Der kostenfreie Parkplatz folgt nach ca. 300 Metern.

Altersempfehlung: ab 1 Jahr,  Kinderwagen: im Gebäude ja 

Öffnungszeiten: Di-Sa 10–17 Uhr

Preise: Gratis

Informationen: Landgut Raixa, Carretera de Palma a Sóller, km. 12, 07100 Sóller. +34  971 23 76 36 (Anmeldung zur Führung),



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